Bespielbare Freiflächen für die Nürnberger Kulturszene – Schaffung von Kulturoasen

Gemeinsamer Antrag von Stadtratsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, politbande und DIE GUTEN

Wie allgemein bekannt, ist die Situation der Kulturschaffenden in Nürnberg sowie vieler Kunst- und Kulturstätten aufgrund der Auswirkungen der Pandemie auch finanziell verheerend. Ein grundlegender Aspekt dabei ist der Wegfall zweier sehr wichtiger Einnahmequellen – durch die Beschränkungen in der Corona-Krise – der Verkauf von Getränken und die Einnahme von Eintrittsgeldern. Einer Vielzahl der Betroffenen droht in absehbarer Zeit der finanzielle Bankrott. Die Zeit drängt, denn in vielen Fällen dürften es weniger als zwei Monate bis zur erzwungenen und unverschuldeten endgültigen Schließung sein! Viele Hilfen kommen aufgrund von bürokratischen Hürden zu spät an. Gleichzeitig gibt es kaum noch Möglichkeiten für Bürger*innen, Kunst und Kultur in der Öffentlichkeit zu erleben und daran teilzuhaben.

Es ist von großer Bedeutung, die freie Kunst- und Kulturszene insgesamt zu stabilisieren sowie eine stärkere Vernetzung der Betroffenen in der Krise zu fördern. Die Stadt Nürnberg ist gefordert, für ihre Kreativen und freie Kulturszene zu sorgen, auch im Hinblick auf den angestrebten Titel der Europäischen Kulturhauptstadt im Jahre 2025.

Daher soll die Stadt Nürnberg für eine Vielzahl Kulturschaffender, Kunst- und Kulturinitiativen und den teils angegliederten Gastronomiebetrieben eine Möglichkeit schaffen, dass diese in Eigenregie Kunst und Kultur auf städtischen Flächen der Öffentlichkeit zugänglich machen können (z.B. Freiluft-Ausstellungen, Lesungen, begleitende DJ-Sets, Tanztheater, Autorenfilme etc.).

Diese Möglichkeit zu bieten, generiert eine Win-win-Situation für die gesamte Nürnberger Stadtgesellschaft.

Zum einen können hierbei die dringend notwendigen Einnahmen durch Eintritte, Spenden und Getränkeverkäufe für die Beteiligten gewonnen werden. Zum anderen kann das Nürnberger Publikum sich wieder durch Teilhabe an Kultur nähren und partizipieren.

Selbstverständlich alles unter Einhaltung aller nötigen Hygienemaßnahmen und -auflagen.

Auch die fehlenden finanziellen Ressourcen im Haushalt der Stadt, um spürbar und adäquat die Betroffenen zu fördern und zu unterstützen, legen nahe, dass ein alternativer Weg gegangen werden muss. Die Bereitstellung von bestimmten Rahmenbedingungen, mittels derer die Kulturschaffenden und Kulturorte durch Einsatz eigener Energien, Gelder erwirtschaften und damit dem Verlust einer bunten und vielfältigen Kulturlandschaft entgegenwirken zu können, wäre ein erster Schritt in eine wirksame Unterstützung.

Die „Kulturoase“ soll vorläufig zeitlich auf die Sommermonate von Juli bis September 2020 begrenzt werden und kann nach Bedarf verlängert oder wiederholt werden.

Grundsätzlich soll das Angebot denjenigen Kulturaktiven zu Gute kommen, die trotz der aktuellen Lockerungen, kaum bis gar nicht agieren können. Zum einen da ihnen keine eigenen Freiflächen zur Verfügung stehen oder auch hinsichtlich der Sondernutzung der Parkflächen keine nennenswerten oder gar keine Flächen nutzen können.

Dem Antrag liegt ein Vorschlag sowohl für ein Veranstaltungsrahmenkonzept, ein Hygienekonzept sowie Koordinations- und Auswahlprozedur für die freien Kulturinitiativen bei, als auch eine Auflistung der zu prüfenden Kostenblöcke für die Standorte Marientorzwinger und Pegnitzgrund unter der Theodor-Heuss-Brücke. Diese Vorschläge sollen eine genauere Vorstellung des angedachten Projekts vermitteln und können von der Verwaltung gerne als Anhaltspunkte für etwaige Planungen verwendet werden.

Vor diesem Hintergrund stellen wir folgenden Antrag:

  • Die Verwaltung prüft die zwei potenziellen Projektstandorte Marientorzwinger und Pegnitzgrund unter der Theodor-Heuss-Brücke bezüglich folgender Faktoren:
    – Bestehende Infrastruktur, insbesondere Wasser- und Stromanschluss sowie (die Möglichkeit mobiler) Sanitäranlagen.
    – Anfallende Kosten für Infrastruktur, Sicherheit (diese im Fall Theodor-Heuss-Brücke, Pegnitzgrund) und Koordination.
  • Die Verwaltung prüft die Mit-Nutzung der Webpräsenz www.kultur-nuernberg.de, zur Online-Antragstellung für das Projekt Kulturoase.
  • Die Verwaltung prüft, inwieweit sie konzeptionell und finanziell ein entsprechendes Hygienekonzept unterstützen kann, das einzuhalten ist und das dem momentanen „Krisen- Standard“ von Gastronomiebetrieben und Biergärten entspricht. Ein beispielhaftes Hygienekonzept liegt dem Antrag bei.
  • Die Verwaltung schafft einen infrastrukturellen Rahmen für das Projekt „Kulturoase“ auf mindestens einer der beiden genannten städtischen Flächen, sowie die Möglichkeit eine koordinierende Rolle für dieses Projekt zu übernehmen.
    Insbesondere durch:
    – Ermöglichung und Bereitstellung bespielbarer Flächen für die Nürnberger Kulturszene, um damit einen Veranstaltungsort wechselnden Akteur*innen zur Verfügung zu stellen. Mit Veranstaltungsinhalten, deren Ausarbeitung bei den beteiligten Kulturinitiativen, Vereinen und Gastrobetrieben liegen. Die Einnahmen aus Eintrittsgeldern, Spenden und Getränkeverkauf gehen dabei an die beteiligten Kulturinitiativen.
    – Bereitstellung von Infrastruktur in Form von Wasser, Strom und Sanitäranlagen.
    – Bereitstellung einer koordinierenden Person, welche den Auswahlprozess, die Kommunikation mit den Kulturinitiativen sowie die Einweisung in die Fläche übernimmt. Sollte dies nicht möglich sein soll auf Honorarkräfte zurückgegriffen werden, welche gemäß der zeitlichen Aufwendungen nach einem festen Satz vergütet werden.
    – Unterstützung bei der Umsetzung von Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen.

Ihre Ansprechpartnerin: Natalie Keller

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