Grundsatzreden von Andrea Friedel und Issaura Süssner zur Neukonstituierung des Stadtrates am 06.05.2026

Blick über die Dächer Nürnbergs
Markus Spiske/Unsplash

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe alte und neue Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Parteien, liebe Zuhörende,

Ich freue mich sehr heute hier als Fraktionsvorsitzende der neu gegründeten Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen- Volt sprechen zu dürfen. (Sie dürfen aber auch gerne der Einfachheit halber „grüne

Voltfraktion“ sagen). Wir haben ein gemeinsames kommunalpolitisches Programm erarbeitet, das die

Handlungsgrundlage bildet, um die zentralen Herausforderungen unserer Stadt wie Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Transformation, bezahlbares Wohnen, Mobilität und Digitalisierung, (um nur die Wichtigsten zu nennen), anzugehen. Um aber auch zu zeigen, dass unsere Fraktion aus einem Zusammenschluß zweier Parteien besteht, wird meine Kollegin Isaura Süssner im Anschluss an mich, sprechen.

Durch unseren Zusammenschluss haben wir zusätzlich erreicht,  dass wir als Bündnis 90/ Die Grünen- Volt drittstärkste Kraft in diesem Rat sind und ich heute an dieser Stelle sprechen darf.

Ich möchte meine Rede mit einem Zitat beginnen, das häufig Churchill zugeschrieben wird, aber vermutlich gar nicht von ihm stammt und das ich irgendwann in den letzten Wochen seit der Wahl

in einem Politiktalk gehört habe.

„Never waste a good crisis“

Ich habe das gehört und mich gefragt: Wie kann eine Krise gut sein? Kann man einer Krise etwas Positives abgewinnen? Was macht eine Krise eigentlich mit uns? Für solch philosophischen Überlegungen lasse ich mich gerne von unserem Reichswald inspirieren, wenn ich morgens Gassi gehe. Krise bedeutet:

• Es wird alles in Frage gestellt

• Man ist gezwungen sich auf die wichtigsten Punkte zu fokussieren

• Kräfte werden gebündelt

• Umdenken

• Neudenken

• Man muss Prioritäten setzen

• Sich von Ballast trennen

• Aber häufig auch geliebte Dinge loslassen

• Bereit sein für Veränderungen

• Im besten Fall gibt es eine gemeinsame Kraftanstrengung

Vermutlich werden wir alle zusammen hier im Rat in den nächsten 6 Jahren mehr als eine Krise bewältigen müssen. Und dabei wird eskünftig besonders wichtig sein, dass alle Fraktionen und Gruppen der demokratischen Mitte eng zusammenstehen und innovative Lösungen finden.

Eine Krise, die jährlich wieder kommt, seit ich im Stadtrat bin, ist der städtische Haushalt und seine Genehmigung durch die Regierung von Mittelfranken. Schon 2014 hat- damals noch Harry Riedel- uns gezeigt wie düster die Lage der nächsten Jahre aussieht und das ist seitdem leider nicht besser, sondern schlechter geworden, beeinflusst auch durch die vielen außen- und innenpolitischen Krisen

dieser Welt. Hier werden wir in den nächsten Jahren gezwungen sein, vieles neu zu denken, uns zu fokussieren und Prioritäten zu setzen.

Auch jetzt sehen wir, was die Sperrung einer wichtigen Handelsstraße für Auswirkungen auf uns alle hat. Nicht nur steigende Spritpreise, sondern durch Ausbleiben von Düngemitteln, teurer werdende Lebensmittelpreise, eine ansteigende Inflation und damit absehbar steigende Zinsen, die dann auch wieder heftige negative Auswirkungen auf unseren städtischen Haushält haben werden und notwendige Investitionen verteuern. Die Kooperation hat in ihrem Vertrag viele Vorschläge, die mit

Kosten, neuen Stellen oder Sachmitteln verbunden sind und wo wir sehr gespannt sind, wie die Umsetzung gestaltet werden kann.

Gerade auch beim Thema Klima und Klimaschutz wird es so sein, dass alles was wir heute nicht investieren oder nicht investieren können, später zu sehr viel höheren Kosten führen wird. Sehr positiv ist, dass das Thema „Klimaschutz“ schon gleich in der Präambel des Kooperationsvertrages genannt wird, dort ist die Rede von einem „pragmatischen Klimaschutz, der seine Ziele verlässlich und effizient erreicht“. Wir als Bündnis 90/ Die Grünen/ Volt wollen die Stadtverwaltung bis

2035 und die gesamte Stadt bis 2040 klimaneutral gestalten. Dies muss, unserer Ansicht nach, mit verbindlichen Umsetzungsprogrammen und klaren Zielmarken hinterlegt werden. Dazu braucht es ein eigenständiges starkes Umweltreferat, das wir als Teil des Nürnberger Modells sehr gerne auch über 2027 hinaus weiterhin fachlich qualifiziert besetzen möchten. Zum Klimaschutz gehören die erneuerbaren Energien, die klimaneutrale Wärmeversorgung, insbesondere der Ausbau der Fernwärme, aber auch Nahwärme und innovative Quartierlösungen. Ebenso das Regenwassermanagement,-denn Wasser wird mehr und mehr durch den Klimawandel zu einem kostbaren Gut werden-, die Starkregenvorsorge und das Schwammstadtprinzip, das verbindlich in die Stadtentwicklung einfließen muss.

Wir brauchen wohnortnahe Parks und Grünflächen, und hier spielt insbesondere der Masterplan Freiraum eine große Rolle, vor allem in den sehr verdichteten Stadtteilen. Deshalb muss es auch in unserem städtischen Interesse sein, dass z.B. die Kleingartenanlage in Schweinau als Kleingartenanlage erhalten bleibt und nicht verkauft wird. Wir brauchen in der Stadt mehr Schatten und Wasser, und hier sowohl Trinkbrunnen als auch Wasserläufe bzw Wasserflächen. Dazu plant die Kooperation die Königsstraße als Pilotprojekt bis zur UGS, was wir sehr gerne unterstützen. Insgesamt benötigen wir mehr Biodiversität und Artenschutz, mehr Blühwiesen und  Artenvielfaltkorridore und wir brauchen eine Verbindung von ökologischen Maßnahmen mit wirtschaftlicher Entwicklung, um die Resilienz Nürnbergs zu stärken.Klimaschutz ist auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit und wir müssen immer beides zusammen denken.

Ein Beispiel dafür ist das kostenlose Schüler:innenticket für den ÖPNV, das ich als eine wunderbare Sache sehe. Es ist nämlich in der Tat eine Riesenungerechtigkeit, dass nur Schüler:innen, die einen Schulweg von mehr als 3 km haben, einen Fahrschein bekommen. Häufig betrifft es gerade die Schüler:innen der Mittelschule, die keine kostenlose Fahrkarte haben, da die Mittelschule- im Gegensatz zu dem gewählten Gymnasium oder der Realschule- immer im Schulsprengel liegt und damit eben die 3 km häufig nicht überschritten werden. Und das führt in der Tat zu Benachteiligung und Ausgrenzung, weil Jugendliche unterschiedlich mobil sind. Nichtsdestotrotz bleibt die Frage, wie teuer das Schüler:innenticket jetzt wirklich ist, da gab es in Wahlkampfzeiten sehr unterschiedliche Angaben, aber egal wieviele Millionen es kosten wird, irgendwo müssen wir das Geld einsparen, und ich bin sehr gespannt, wie die Finanzierung dazu aussehen wird.

Das Thema, bei dem wir- zumindestens in einem Punkt- weit auseinanderliegen, ist das Thema Mobilität. Und hier natürlich der Frankenschnellweg. Hier war ja bis jetzt die Haltung der SPD, dass der FSW nur gebaut werden soll, wenn der Freistaat sicher 80% der Gesamtkosten beisteuert. In der Kooperationsvereinbarung liest sich das jetzt allerdings sehr aufgeweicht „Ziel ist es, eine Förderung von 80% der Gesamtkosten durch den Freistaat Bayern zu erreichen“. Da möchte ich schon gerne wissen, was passiert, wenn das nicht erreicht wird? Steht die SPD dann zu ihrem Wort, dass der FSW nicht gebaut wird? Mittlerweile gibt es gute Alternativplanungen von uns den FSW effizienter zu machen ohne das Risiko eines Tunnelbaus. Diese Planungen wurden von der Verwaltung durchaus positiv begutachtet. Hier gilt Stadtteilpark statt Milliardengrab, FSW schneller, grüner, günstiger. In Zeiten, in denen Baukosten überall davongaloppieren sollten wir dieses Risiko als Stadt nicht eingehen, denn auch bei Kosten von 1Mrd € sind 20% 200 Mio.€, die wir als

Stadt stemmen müssen und zusätzlich kommen geschätzt noch jährliche Unterhaltskosten von mehrerern Mio. Euro dazu. Ganz abgesehen von den Staus und Baustellen in den 10 Jahren der Bauphase. Unserer Ansicht nach kann der Kooperation hier nichts Besseres passieren, als dass die Bürger:innen der Stadt Nürnberg sich gegen den kreuzungsfreien Ausbau entscheiden beim Bürgerbegehren am 28. Juni. Sehr spannend hingegen finde ich persönlich die Idee, die Magnetschwebebahn als „industriepolitischen Showcase“ an der Messe zu bauen. Ich kann mir das ehrlicherweise noch nicht vorstellen, wie das aussehen soll und wie die Bahn sich in das Gelände einpasst, aber sicherlich wird sie ein – im wahrsten Sinne des Wortes – ein Magnet werden für unsere nationalen und internationalen Besucher:innen.

Generell ist unser Anspruch als Bündnis 90/ Die Grünen- Volt , dass Mobilität nachhaltig, sozial gerecht, barrierefrei ist und reibungslos funktionierend . Wir wollen, dass der wegweisende Mobilitätsbeschluss der letzten Stadtratsperiode konsequent umgesetzt und mit den notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen ausgestaltet wird. Dazu gehört, dass der ÖPNV weiter – natürlich barrierefrei- ausgebaut wird z.B. mit mehr Nachtbussen, dass wir attraktive P+R Möglichkeiten schaffen, um möglichst viel Verkehr aus unserer Innenstadt herauszuhalten, dass wir Gehwege und öffentliche Räume sicherer und barrierefrei gestalten für alle Nutzer:innen. Und dass wir weiter an einer lückenlosen Infrastruktur für den Fuß- und den Radverkehr arbeiten. Dazu gehört aber auch, Verkehrswege und den öffentlichen Raum seniorengerechter zu gestalten.

Und das heißt nicht nur die Barrierefreiheit, sondern auch mehr Sitzplätzen, mehr Schattenplätzen, mehr Straßenübergängen und auch längere Ampelzeiten für Fußgänger:innen. Quartiere müssen nach Möglichkeit so gestaltet sein, dass alle Erledigungen in einem Radius von 15 Minuten ab Wohnungs- und Haustür erfolgen können.

Aktuell ist dies für viele Nürnberger:innen noch nicht möglich. Denn nach wie vor fehlt es in Nürnberg an bezahlbarem Wohnraum, der zudem gleichzeitig über eine gute Infrastruktur verfügt. Das ist und wird weiterhin die soziale Frage der nächsten Jahre sein, und wir werden uns auch weiterhinfür eine nachhaltige, soziale und integrierte Stadtentwicklung einsetzen. Die Idee der Kooperation alles rund um das Thema Wohnen in einem Referat beim 3. Bürgermeister zu bündeln, halten wir erstmal für eine gute Möglichkeit. Wir alle wollen den Bau von bezahlbarem und gefördertem Wohnungsbau gezielt stärken und dazu ist unsere kommunale  Wohnungsbaugesellschaft wbg ein wichtiges Instrument.

Aber wir sollten auch genossenschaftliches Bauen unterstützen z.B. mit Erbpachtflächen der Stadt. Wir wollen, dass bestehende Gebäude und Flächen effizient genutzt werden, dass Umnutzungen z.B. von leerstehenden Bürogebäuden erleichtert werden, dass Leerstand aktiviert wird und Sanierungen gegenüber Neubau prioritär behandelt wird. Ein wichtiges Instrument dazu ist die Zweckentfremdungssatzung und deren konsequente Umsetzung. Denn jede leerstehende Wohnung, die wieder dem Wohnungsmarkt zugeführt wird, ist deutlich günstiger als eine neu gebaute Wohnung. Daher stimmen wir der Kooperation gerne zu, dass es an dieser Stelle eine organisatorische und personelle Verstärkung geben soll. Die Innenstadt soll und muss aufgewertet werden, allerdings braucht es dazu kein neues Konzept on top, sondern da wünschen wir uns eine stringente Zusammenführung der Pläne und Ideen aus INSEK, UGS und Einzelplanungen der Stadtplanung und eine Zeitachse wie die Umsetzung gelingen kann.

Hier möchte ich auch auf die Analyse der Stadterneuerung verweisen, über die wir ja heute auch noch beraten. Die Idee zur UGS mit der Königstrasse zu beginnen, diese mit Grün, Schatten und Wasser zu gestalten, entspricht auch unserer Vorstellung einer lebensfreundlichen Innenstadt. Aber auch den Hauptmarkt sollten wir als zentralen Platz mit Grün, Schatten und Wasser weiterentwickeln.

Ebenso stehen wir als Bündnis 90/ Die Grünen -Volt für eine offene, vielfältige, solidarische und diskriminierungsfreie Stadtgesellschaft. Dazu gehört die Umsetzung von Maßnahmen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Diskriminierung. Und ich möchte an dieser Stelle sagen, dass mich das Urteil, dass dem Team Menschenrechte erlaubt durch „unsere Straße der Menschenrechte“ zu ziehen, zutiefst betroffen gemacht hat. Die Straße der Menschenrechte ist ein besonderes Symbol für die Stadt Nürnberg als Stadt des Friedens und der Menschenrechte. Wir wollen, dass die Rechte, Sicherheit und Sichtbarkeit queerer Menschen gestärkt durch die Weiterführung des „Masterplan Queer“ weitergeführt werden, die wollen wir ebenso wie die Umsetzung des geplanten Regenbogenhauses als wichtiges Zeichen in und für die Community. Hier geht unser OB mit gutem Beispiel voran, wenn er in jedem Jahr den CSD anführt- vielen Dank für dieses wichtige Zeichen!

Zur Gleichstellung gehören aber auch die Fortführung des Gleichstellungsaktionsplan, die Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt durch Prävention und Täterprogramme und der barrierefreie Ausbau der Frauenhäuser. Apropos Gleichstellung und paritätische Besetzung: Leider ist ja durch das Ausscheiden der zweiten Bürgermeisterin Dr. Julia Lehner die Referentenbank wieder etwas männlicher besetzt und beim Neujahrsempfang wird eine Frau auf der Treppe sehr fehlen. Und obwohl das Verhältnis Frau/ Mann in unserem Rat fast ausgeglichen ist und wir damit erfreulicherweise weit über dem bayerischen Durschnitt mit einer Frauenquote von 30 Prozent liegen – ist der Frauenanteil in den Reihen der Fraktionsvorsitzenden sehr überschaubar. Mit Frau Dr. Lehner mussten wir uns zudem auch von einem eigenständigen Kulturreferat verabschieden.

Als Bündnis 90/ Die Grünen- Volt setzen wir uns für eine lebendige, vielfältige und für alle Menschen zugängliche Kulturlandschaft ein. Und natürlich würden wir uns im besten Fall wünschen, dass das Kulturreferat als eigenständiger Referat erhalten geblieben wäre. Die Kooperation hat sich für den zweitbestem Weg entschieden, nämlich dass Herr Oberbürgermeister die komplette Kultur (und hier ist uns wichtig, dass der Kulturbereich nicht zerschlagen wird) übernimmt. Wir wissen, dass der Herr OB ein großes Herz für die Kultur hat und wir werden diesen Weg konstruktiv kritisch begleiten, wie man es ja auch von uns kennt. Nachdem bei den meisten Reden das Ende bei den Zuhörenden hängenbleibt, möchte ich gerne mit einem positiven Ausblick enden.

Am Anfang meiner Rede habe ich gesagt, dass wir in den nächsten 6 Jahren sicher einige Krisen bewältigen müssen, aber wir werden auch Grund zur Freude und zum Feiern haben. Es wird das Turnfest geben, das Dürerjahr, zwei Ereignisse, bei dem wir hoffentlich viele Gäste in unserer schönen Stadt empfangen dürfen. Und natürlich hoffen wir auf viele Besucher:innen bei der Urbanen Gartenschau, die vor allem auch für uns Nürnberger:innen mehr Grün und

Lebensqualität in unsere Stadt bringen wird. Ich freue mich

• auf einen Stadtteilpark statt eines Milliardengrabs am Frankenschnellweg und

• einen sanierten und lebenswerten Plärrer

Und ganz wichtig: einige der Projekte, über die wir viel diskutiert haben, bei denen wir viele Schleifen gedreht haben, werden in den nächsten Jahren vollendet werden: Darunter

• die Ermöglichungsräume für Künstler:innen in der Kongresshalle

• und das Opernhaus. Ich persönlich als Mitglied der Opernhauskommission und Abonnentin unseres Staatstheaters freue mich riesig auf die ersten Vorführungen in unserem

neuen Haus.

• und mein absolutes Highlights: Die Wiedereröffnung des Volksbads. Wir haben es in einer gemeinsamen Kraftanstrengung geschafft, diesem wunderschönen Bad wieder neues Leben einzuhauchen.

In diesem Sinne freuen wir uns auf die nächsten 6 Jahre, auf die Zusammenarbeit mit den Parteien und Gruppen der demokratischen Mitte, auf Diskussionen, darauf gemeinsam den besten Weg für unser wunderschönes Nürnberg zu finden. Und hiermit übergebe ich an meine Kollegin Isa Süssner von Volt. Danke schön.       

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,

es gibt Städte, in denen man lebt, und es gibt Städte, die man prägen will – für mich ist Nürnberg heute beides zugleich. Als neues Mitglied dieses Rates und Teil der neu gegründeten Fraktion Bündnis 90/Die Grünen – Volt stehe ich heute hier mit großer Vorfreude, aber auch mit tiefem Respekt vor der Aufgabe, die uns in den nächsten sechs Jahren erwartet.

In meinen Blut fließen zwei Nürnberger Erzählungen zusammen: Die tiefe Verwurzelung der Familie meines Vaters, die schon immer hier gewohnt hat, und die Geschichte meiner Mutter, die hier in Nürnberg eine neue Heimat fand.

Ich selbst bin zwar in Nürnberg geboren, habe die ersten paar Jahre meines Lebens hier gelebt, bin aber eigentlich etwas weiter im Norden im schönen Unterfranken aufgewachsen. Da ich an beiden Orten Familie und Freunde hatte, habe ich mein Leben damit verbracht, innerhalb Frankens hin- und her zu pendeln.  In meiner Kindheit und Jugend war Nürnberg v.a. Für mich: Samstags Shopping in der Fußgängerzone (damals ging das noch besser als heute), Sonntage bei meiner Oma mit Kuchen und Orangensaft und – wie für so viele Kinder aus der Region – die legendären Geburtstagspartys im Palm Beach. Es war schließlich die Liebe, die mich als Erwachsene vor einiger Zeit dauerhaft hierher nach Langwasser zurückbrachte. Deshalb blicke ich heute mit einer besonderen Perspektive auf diese Stadt: Mit der emotionalen Verbundenheit derjenigen, die hier ihre Wurzeln haben, aber gleichzeitig auch mit dem neugierigen und fragenden Blick von Menschen, die hierher gezogen sind.

Hinter uns allen liegen kräftezehrende Wochen und Monate intensiver Debatten. Ich persönlich habe hunderte Gespräche mit den Nürnbergerinnen und Nürnbergern geführt – und dabei musste ich oft eine ganz grundlegende Frage beantworten: Warum braucht es eigentlich Volt, eine klar europäisch ausgerichtete Kraft, hier bei uns im Nürnberger Stadtrat?

Meine Antwort darauf liegt direkt vor diesem Rathaus. Wenn wir heute aus dem Fenster schauen oder in der Pause den Blick hinauf zur Kaiserburg richten, sehen wir nicht nur das Wahrzeichen unserer Stadt. Wir sehen ein Monument der Europapolitik. Seit dem Mittelalter repräsentiert diese Silhouette die herausragende Rolle der Reichsstadt Nürnberg im Herzen unseres Kontinents.

Nun liegen zwischen den Reichstagen des Mittelalters und der Europäischen Union von heute glücklicherweise einige Entwicklungsschritte, die ich uns allen zuliebe jetzt überspringe.

Aber der Kern der Sache bleibt gleich: Schon immer war Nürnberg ein Ort, an dem Menschen mit unterschiedlichsten Herkünften zusammenkamen, um Entscheidungen zu treffen, die weit über die Stadtgrenzen hinausreichten. Und ich wage die Behauptung: Damals wurde in diesen Mauern mindestens genauso leidenschaftlich – und vielleicht auch genauso langwierig – diskutiert, wie wir es heute tun werden.

Doch Nürnberg ist mehr als nur Geschichte. Wir sind die Stadt des Friedens und der Menschenrechte. Diese Identität ist heute und in den nächsten 6 Jahren unser Kompass. In einer Zeit, in der Nationalismus und Rechtsextremismus versuchen, einfache Antworten auf komplexe Fragen zu geben, erfüllt mich deren erstarkte Präsenz (auch in diesem Rat) mit Sorge – aber vor allem mit Entschlossenheit. Denn Rechtsextremismus ist das Gift, das genau das zerstört, was Nürnberg über Jahrhunderte groß gemacht hat: Offenheit, Austausch und Vielfalt./die demokratischen Kräfte seit je her aufgebaut und verteidigt haben: Offenheit, Austausch und Vielfalt.

Aber verehrte Kolleginnen und Kollegen, in den kommenden sechs Jahren soll es nicht nur um klare Haltung gehen. Es muss um Gestaltung gehen.

Mit der Fraktionsgemeinschaft aus Grünen und Volt setzen wir ein klares Zeichen für Gestaltungswillen. Indem wir langjährige Erfahrung mit neuen Impulsen und einem frischen Blick von außen verknüpfen, bringen wir genau die Energie an diesen Tisch, die Nürnberg jetzt braucht. Denn wir sind überzeugt: Wir müssen Kräfte bündeln, um unsere Stadt ökologisch, sozial und digital voranzubringen.

Ich appelliere an alle weiteren Mitglieder dieses Rates: Lassen Sie  uns bitte eine politische Kultur des Miteinanders pflegen. Die Bürgerinnen und Bürger Nürnbergs erwarten von uns keine ideologischen Grabenkämpfe, sondern pragmatische Lösungen für die Probleme, die sie im Alltag belasten.

Das führt uns zwangsweise zu der Frage, woran die Menschen merken, dass wir hier drinnen gute Arbeit leisten?

  • Sie merken es, wenn Schülerinnen und Schüler morgens ohne Ampelstopps an Autos vorbeiziehen und auf sicheren Wegen an der Schule ankommen.
  • Sie merken es, wenn sie sich keinen halben Tag frei nehmen müssen, um einen Parkausweis zu verlängern, sondern das bequem vom Sofa aus erledigen können.
  • Und sie merken es, wenn Flächenentsiegelung und Begrünung dazu führt, dass sich das eigene Viertel im Sommer wie ein kühler Schattenplatz anfühlt und nicht mehr wie ein Backofen.

Wenn wir von pragmatischen Lösungen sprechen, sollten wir auch den Mut haben, festgefahrene Pfade zu verlassen. Ein Beispiel dafür ist unsere Unterstützung des Bürgerbegehrens „Lieber zurück auf Los“. Es geht dabei nicht um Blockade, sondern um die grundlegende Frage: Bauen wir eine Stadt für die Vergangenheit oder für die Zukunft? In ganz Europa – von Paris bis Utrecht – sehen wir, dass moderne Metropolen den Verkehr neu denken und Straßen zurückbauen. Wenn der Bürgerentscheid am 28. Juni also zu unseren Gunsten ausfällt, wünsche ich mir eine mutige und faktenorientierte Debatte mit dem Ziel einer echten Verkehrswende.

Europaliebe beginnt im Rathaus. Diesen Faden möchte ich aufnehmen. Als Sprecherin für Europa und Digitalisierung meiner Fraktion trete ich an, um die Brücke von unserer großen Tradition in die digitale Moderne zu schlagen. Mein Ziel ist es, Nürnberg durch europäische Vernetzung und digitale Innovation zur Vorreiterstadt für alle Bürgerinnen und Bürger zu machen.

Lassen Sie uns heute damit beginnen, Brücken zu bauen – für die besten Ideen aus und für Nürnberg.

Vielen Dank!