Ein Ort mit besonderer Verantwortung
Nürnberg ist Tatort von drei Morden und einem Sprengstoffanschlag des NSU (Nationalsozialistischer Untergrund). Nürnberg ist dabei mehr als Tatort. Dass hier das zentrale nationale NSU-Dokumentationszentrum entstehen soll, ist das Ergebnis jahrelangen Engagements von Betroffenen und Angehörigen, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung. Durch diese enge Zusammenarbeit ist hier über Jahre eine Expertise gewachsen, die für das Zentrum von unschätzbarem Wert ist.
Grünes Engagement auf allen Ebenen
Auch wir Grüne haben daran mitgewirkt. Unsere Mandatsträger*innen und Parteimitglieder setzen sich seit Jahren auf kommunaler, Landes- und Bundesebene für einen Erinnerungsort am vierfachen Tatort ein, mit zahlreichen Anträgen, schriftlichen Anfragen und vielen Gesprächen. Der Arbeitskreis Kultur befasst sich stets mit dem Thema und fördert den Dialog mit der temporären Einrichtung in Chemnitz.
Nicht länger warten
Umso problematischer waren die widersprüchlichen Signale des Bundes zur Finanzierung in den vergangenen Monaten. Inzwischen scheint das Geld wieder gesichert. Doch nach Jahren politischer Zusagen darf das Projekt nicht erneut an Finanzierungs- oder Zuständigkeitsfragen scheitern. Wir wollen nicht länger abwarten. Wir wollen zeigen, was Nürnberg kann, und weiter mit aller Kraft für den Standort kämpfen. Deshalb haben wir einen Antrag für ein Pop-Up-NSU-Dokumentationszentrum gestellt.
Unser Vorschlag: ein Pop-Up-Zentrum
Das befristete Pop-Up-Zentrum soll die Zeit bis zur Eröffnung des dauerhaften Zentrums nutzen. Es ist ausdrücklich eine Ergänzung und kein Ersatz. Wir wollen einen offenen Ort für Austausch, Bildung und Begegnung schaffen. Er soll zentral liegen, im Erdgeschoss gut sichtbar sein und keinesfalls an einem Ort entstehen, der durch Rechtsextremismus oder NS-Geschichte belastet ist. Dort sollen bestehende Nürnberger Angebote gebündelt werden. Die Perspektiven von Betroffenen und Angehörigen sollen maßgeblich einfließen, und es sollen neue Formate der politischen Bildung entstehen.
Erinnerung ist Auftrag
Der NSU-Komplex ist kein abgeschlossenes Kapitel. Er erinnert uns daran, dass Rechtsextremismus nicht nur Gift der Gesellschaft ist, sondern durch Terror tödlich ist. Er zeigt auch, wie wichtig eine wache, solidarische und couragierte Gesellschaft ist. Gerade in Zeiten, in denen rechtsextreme Stimmen wieder lauter werden, in den Rechtsextreme jeden Mondtag durch die Nürnberger Innenstadt laufen, brauchen wir Orte, die erinnern, aufklären und zusammenbringen. Nürnberg hat gezeigt, dass die Stadtgesellschaft Verantwortung übernehmen kann. Lasst uns diesen Weg gemeinsam weitergehen, für die Opfer und ihre Angehörigen und für eine Stadt, in der alle Menschen sicher und selbstverständlich zu Hause sind.

Ihre Ansprechpartnerin:
Réka Lörincz
