NSU-Pop-Up-Dokumentationszentrum in Nürnberg – Erinnerung sichtbar machen, Verantwortung übernehmen

Gedenkstele Opfer des NSU im Kartäusertor
Christine Dierenbach/Stadt Nürnberg

Die Einrichtung eines NSU-Dokumentationszentrums in Nürnberg ist das Ergebnis eines jahrelangen Engagements von Betroffenen und Angehörigen, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung. Nürnberg hat dabei gemeinsam mit vielen Akteur:innen auf kommunaler, Landes- und Bundesebene immer wieder für einen Erinnerungsort am vierfachen Tatort, Nürnberg, geworben und wichtige inhaltliche Vorarbeiten geleistet. Die parteiübergreifende Zusammenarbeit und der Einsatz der Staatsregierung sind dabei besonders zu würdigen.

Es wurde erkannt, dass Nürnberg als Standort in besonderer Weise geeignet ist und eine besondere Verantwortung trägt: Nürnberg ist Tatort von drei Morden und einem Sprengstoffanschlag – verübt von der NSU-Terrorzelle. Nürnberg ist aber mehr als Täterort. Die beispiellose Zusammenarbeit von Stadtverwaltung, Zivilgesellschaft, Politik, Bildungs- und Kultureinrichtungen, Wissenschaft und Medien macht Nürnberg besonders geeignet als Standort des nationalen NSU-Doku-Zentrums. Über Jahre ist eine breite Expertise entstanden, die für die Konzeption und Umsetzung eines NSU-Dokumentationszentrums von unschätzbarem Wert ist.

Umso problematischer waren die widersprüchlichen Signale der Bundesebene der vergangenen Monate zur Finanzierung des geplanten Zentrums. Auch wenn inzwischen die Finanzierung wieder gesichert scheint, darf die Realisierung nach Jahren der politischen Zusagen nicht erneut an Finanzierungs- und Zuständigkeitsfragen scheitern.

Die Stadt sollte zeigen: Wir sind bereit. Wir haben die Strukturen, die Expertise und die Zivilgesellschaft. Wir wollen dieses Zentrum – und wir machen bereits heute sichtbar, was hier möglich ist.

Ein Pop-Up-NSU-Dokumentationszentrum kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Es ersetzt ausdrücklich nicht das geplante dauerhafte Zentrum. Es kann jedoch die Zeit bis zu dessen Realisierung nutzen, um die Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex wieder stärker in die Mitte der Stadtgesellschaft zu holen.

  1. Räumlichkeiten: Einen geeigneten Ort hierfür zu finden, den die Stadt in eigener Zuständigkeit zur Verfügung stellen kann, wäre besonders wichtig: zentral gelegen, gut erreichbare Erdgeschossfläche mit hoher öffentlicher Sichtbarkeit und möglichst großen Fensterflächen. Einzig sollten keine bereits durch Rechtsextremismus und Nationalsozialismus belasteten Orte in Betracht kommen.
  2. Konzept: Im Pop-Up-NSU-Doku-Zentrum könnten bestehende Nürnberger Angebote und Formate zur Aufarbeitung des NSU-Komplexes gebündelt und sichtbar gemacht, die Perspektiven von Betroffenen und Angehörigen angemessen und maßgeblich berücksichtigt, neue Formate der politischen und historischen Bildungsarbeit entwickelt, niedrigschwellige Möglichkeiten für Bürger:innen zur Information, Begegnung und Beteiligung sowie Möglichkeiten des Austauschs über die Konzeption und den künftigen dauerhaften Standort des NSU-Dokumentationszentrums geschaffen werden.Das Pop-Up-NSU-Dokumentationszentrum soll als offener Ort des Austauschs und der Auseinandersetzung konzipiert werden. Dort sollen unter anderem Diskussionsveranstaltungen, Fachgespräche, Bildungs- und Vermittlungsformate sowie Veranstaltungen mit Betroffenen, Angehörigen, Expert:innen, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und politischen Entscheidungsträger:innen stattfinden.
  3. Finanzierung: Die aktuell schwierige Haushaltslage der Stadt Nürnberg ist uns bewusst, dennoch könnte vieles aus bestehenden Mitteln und Ressourcen (z. B. Räume) gestemmt werden. Weiterhin wichtig ist es für die Finanzierung, neben städtischen Mitteln auch Stiftungs- und Fördermittel zu prüfen.

Vor diesem Hintergrund stellen wir zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden Antrag:

Die Verwaltung

  • identifiziert geeignete Räumlichkeiten für die Einrichtung eines befristeten Pop-Up-NSU-Dokumentationszentrums und stellt diese dem zuständigen Ausschuss vor,
  • entwickelt gemeinsam mit den in Nürnberg bereits im Themenfeld NSU engagierten zivilgesellschaftlichen Akteur:innen ein inhaltliches Konzept sowie einen Belegungs- und Veranstaltungsplan für das Pop-Up-NSU-Dokumentationszentrum,
  • prüft, inwieweit die Umsetzung aus bestehenden Haushaltsmitteln finanziert werden kann. Sollten hierfür zusätzliche Mittel erforderlich sein, legt die Verwaltung dem zuständigen Ausschuss die erforderlichen Finanzierungsbedarfe und mögliche Finanzierungswege vor.
Stadträtin Réka Lörincz

Ihre Ansprechpartnerin:
Réka Lörincz