Newsletter-Editorial Februar 2021

Liebe Leser*innen,

der englische Begriff up in smoke kam mir in den Sinn, als die Kampagne von CDU/FDP um „die Partei, die den Bürgern ihr Einfamilienhaus verbieten will“, an Fahrt aufnahm. Allerdings löste sich dieselbe ganz schnell in Luft auf („up in smoke“): Denn eine ganze Reihe von CSU- und CDU-Oberbürgermeister*innen und auch mittelfränkische Baureferent*innen kamen zu der lapidaren Aussage, dass Einfamilienhäuser schön und notwendig seien, aber in verdichteten Innenstädten nichts verloren hätten.

Um nichts anderes ging es in einem Berliner Bezirk, der als Kampagnengrundlage dienen sollte: Knappe Fläche im innerstädtischen Bereich muss verdichtet und (maximal) bebaut werden, um der Nachfrage nach Wohnraum gerecht zu werden und kostbarsten Baugrund effizient zu verbrauchen.

In Nürnberg versuchen wir parteiübergreifend, genau diesen Spagat seit Jahrzehnten so gut es geht hinzubekommen: Wir verdichten in erweiterten Innenstadtflächen und weisen Baugebiete aus, in denen auch Einfamilienhäuser ihren Platz finden. Warum wir das tun? Damit unter anderem nicht noch mehr Familien in den Speckgürtel ziehen (müssen) und dann jeden Tag nach Nürnberg pendeln – die Folgen kennen wir alle. Wer sich z.B. die Bebauung im gesamten Baugebiet Wetzendorf ansieht, wird erkennen, dass durch einen geschickten Baumix Mehrgeschossigkeit und Einfamilienhaus nebeneinander existieren können.

Für unsere grüne Fraktion geht die o.g. Kampagne am Kern vorbei. Wir wollen diesen Mix als „lange Linie Nürnberger Baupolitik“ im Grundsatz weiterführen, allerdings deutlich um ökologische Aspekte erweitern. Grün muss stärker in den Blick genommen, autofreie Quartiere massiv gefördert werden. Dies bedingt, dass deren Erschließung durch den ÖPNV in geradezu exzellenter Art und Weise Grundlage sein muss. Plätze mit hoher Aufenthaltsqualität, Grünflächen für Kinder und Erwachsene als absolut notwendige „Klimainseln“, eine geringe motorisierte Belastung der Quartiere und eine hervorragende ÖPNV-Anbindung – darüber streiten wir gerne!

Eine billige Kampagne bleibt eine billige Kampagne und entlarvt letztlich die Urheber*innen.

Es grüßt freundlich,

Ihr/Euer Achim Mletzko, Fraktionsvorsitzender