Newsletter-Editorial März

Liebe Leser*innen,

jüdisches Leben in Nürnberg sichtbar und erfahrbar wahrzunehmen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

Die Realität sieht allerdings anders aus: Die Israelitische Kultusgemeinde benötigt auch im Jahr 2021 (!) hohe Sicherheitsvorkehrungen für ihre Einrichtungen sowie regelmäßige Polizeibestreifung, um etwa die Sicherheit der Bewohner*innen des Arno-Hamburger-Senioren- und Pflegeheimes, des großen Veranstaltungssaales und der Synagoge sicherzustellen. Die Schmäh-Zuschriften an die Adresse der Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg (IKGN) nehmen nicht ab – im Gegenteil.

Auch die Lebenssituation von jungen Mitbürger*innen jüdischen Glaubens ist nicht so entspannt, wie wir das etwa von Glaubensangehörigen anderer Konfessionen kennt. Ein Satz: „Was, du bist Jude? Sieht man dir gar nicht an“ ist auch im Jahr 2021 nicht ungewöhnlich. Und aus dieser „Albernheit“ spricht alltäglicher Antisemitismus.

Hier haben wir am 24. März mit einer einstimmigen Resolution im Stadtrat angesetzt: Antisemitismus in jeder Form kann man nicht (nur) intellektuell bekämpfen. Die Regale sind voll mit Literatur, die sich mit den Widerlegungen von Antisemitismus beschäftigen. Das ist ein wichtiger Baustein, keine Frage, aber das persönliche Erleben, das miteinander reden, lachen, trinken ist möglicherweise erfolgreicher.

Die geplante Begegnungs-und Bildungsstätte soll im Jahr 2024 genau das ermöglichen. Wir wollen in enger Kooperation mit der IKGN, der Kommune und anderen Trägern, die sich in der Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft und jüdischem Leben engagieren, eine Machbarkeitsstudie entwickeln. Das sollte in überschaubarer Zeit möglich sein. Die Suche nach einem Domizil läuft parallel, ebenso eine erste Konzeptionserstellung und das Einbinden von Kooperationspartner*innen.

Alles in allem: Eine wunderbare Verheißung!

Damit wir diese Begegnungs- und Bildungsstätte ohne Polizeischutz und Sicherheitstechnik eröffnen können, brauchen wir alle den Zusammenhalt der Zivilgesellschaft, die sich für ein offenes, vielfältiges und angstfreies Zusammenleben ins Zeug legt. Die Begegnungsstätte hat deshalb nicht nur die Unterstützung des Stadtrates und der Stadtverwaltung, sondern erfordert das Engagement vieler in der Stadt. Ich bleibe dabei: Die Erfüllung dieser Verheißung ist fest vereinbart, denn Nürnberg hält zusammen!

Es grüßt Sie/Euch freundlich,

Achim Mletzko, Fraktionsvorsitzender