Zukunft des Opernhauses am Richard-Wagner-Platz sichern und kulturelle Zwischennutzung ermöglichen

Das Nürnberger Opernhaus fotografiert aus südöstlicher Richtung
Andre Karwath aka Aka/Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5

Die angespannte Haushaltslage der Stadt Nürnberg erfordert eine sorgfältige Priorisierung städtischer Investitionen. Vor diesem Hintergrund ist nachvollziehbar, dass eine zeitnahe Generalsanierung des Opernhauses am Richard-Wagner-Platz derzeit nicht als realistisch eingeschätzt wird.


In der Berichterstattung der Nürnberger Nachrichten vom 14.10.2026 hat der Oberbürgermeister erklärt, dass eine Generalsanierung angesichts der Finanzlage in den kommenden 15 Jahren voraussichtlich nicht stattfinden werde. Zugleich hat er betont, dass über die künftige Nutzung des Standorts gemeinsam mit der Stadtgesellschaft diskutiert werden müsse.


Aus einer aufgeschobenen Generalsanierung darf jedoch kein Stillstand folgen. Es gilt, die vorhandene Bausubstanz zu sichern, weitere Schäden möglichst zu verhindern und den Standort als bedeutenden städtischen Kulturort sichtbar und nutzbar zu halten. Das Opernhaus am Richard-Wagner-Platz ist ein prägender Bestandteil des Nürnberger Stadtbilds und der kulturellen Infrastruktur. Ein langfristiger Leerstand ohne Perspektive würde die Chancen auf eine zukünftige Nutzung erschweren und könnte zusätzliche Kosten durch fortschreitenden Sanierungsbedarf verursachen.


Eine temporäre Zwischennutzung könnte daher die Möglichkeit bieten, die Zeit bis zu einer langfristigen Entscheidung sinnvoll zu gestalten. Sie kann Räume für Kunst und Kultur schaffen, neue Formate ermöglichen und die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes fördern. Insbesondere Ausstellungen und Vermittlungsangebote zur Stadtgeschichte und Erinnerungskultur sollten dabei als mögliche Ansätze geprüft werden. In diesem Sinne soll die Zwischennutzung auch eine kritische, fundierte und multiperspektivische Auseinandersetzung mit der Geschichte und mit dem Namen des Richard-Wagner-Platzes ermöglichen.

Voraussetzung ist ein Nutzungskonzept, das sich an den tatsächlichen baulichen Gegebenheiten orientiert. Dabei sollen auch die geltenden Anforderungen an Versammlungsstätten, Brandschutz und Sicherheit berücksichtigt werden. Zu prüfen ist, welche Nutzungen mit vertretbarem Aufwand möglich sind und ob sich durch eine schrittweise Öffnung zunächst geeignete Teilbereiche des Gebäudes aktivieren lassen.

Eine offene Ideenwerkstatt könnte ermöglichen, das Wissen und die Kreativität der Nürnberger Kulturszene und der Stadtgesellschaft einzubeziehen. Gleichzeitig können mögliche Betreiber:innen, Nutzungspartner:innen und Finanzierungsmodelle frühzeitig identifiziert werden. Ziel ist es, bereits heute eine Perspektive für den Standort zu entwickeln: den Erhalt der Immobilie sichern, kulturelle Nutzung ermöglichen und die langfristige Zukunft des Richard-Wagner-Platzes gemeinsam gestalten.

Wir stellen deshalb zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden Antrag:

Die Verwaltung

  • ermittelt die notwendigen baulichen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen. Dazu gehören insbesondere die erforderlichen Maßnahmen zur Sicherung und zum Erhalt des Gebäudes, die jeweils geltenden Anforderungen an eine Nutzung, mögliche Betreiber- und Trägermodelle sowie eine belastbare Kosten- und Einnahmenprognose. Dabei soll ausdrücklich geprüft werden, in welchem Umfang bestehende Infrastruktur weitergenutzt und durch geeignete Formate Einnahmen zur Deckung der Betriebskosten erzielt werden können.
  • führt eine breit angelegte Ideenwerkstatt mit Beteiligung der Stadtgesellschaft durch. Dabei sollen insbesondere die freie Kunst- und Kulturszene, Kulturinstitutionen, die Stadtgesellschaft, Initiativen der Erinnerungskultur sowie weitere potenzielle Nutzer:innen einbezogen werden. Ziel ist es, tragfähige Nutzungsideen für einen temporären Kulturort zu entwickeln und gemeinsam Prioritäten für die Umsetzung zu setzen.
  • legt ein Konzept zum dauerhaften Schutz vor weiterem Verfall vor. Hierzu sollen notwendige Sicherungs- und Erhaltungsmaßnahmen, deren zeitliche Priorisierung sowie die dafür erforderlichen Finanzmittel dargestellt werden. Eine über Jahre ungenutzte und dem Verfall preisgegebene Immobilie soll vermieden werden.
  • legt die Ergebnisse dem zuständigen Ausschuss zur Beratung vor, einschließlich eines Vorschlags für das weitere Vorgehen, einer zeitlichen Perspektive und einer Einschätzung der kurz- und mittelfristig realisierbaren Nutzungsmöglichkeiten.
Stadträtin Natalie Keller

Ihre Ansprechpartnerin:
Natalie Keller

Stadtrat Cengiz Sahin

Ihr Ansprechpartner:
Cengiz Sahin