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Foto: Sebastian Lock

7 Fragen an: Marc Schüller

Wie bist du zur Politik gekommen und was machst du sonst so im „normalen“ Leben?

Ich war in den 80ernTeil der Umwelt- und Anti-Atomkraftbewegung und habe mich dafür auch hier in Nürnberg in mehreren Gruppen, z. B. beim Bund Naturschutz, engagiert. Inspiriert hat mich auch das Engagement von Petra Kelly. Danach habe ich dann Politik und Psychologie. Heute bin ich Fachberater für Imkerei beim ökologischen Anbauverband Biokreis und Inhaber der Bio-Imkerei Die Bienenhüter. Schwerpunkt der Imkerei ist die Umweltbildung, besonders für Kinder.

Was sind deine Schwerpunkte als Stadträt*in und warum?

Meine Stadtratsarbeit konzentriere ich neben meiner Tätigkeit als stellvertretender Fraktionsvorstand auf die Themen Umwelt, Energie und Agrar. Durch meine beruflichen und biographischen Hintergründe engagiere ich mich seit vielen Jahren auf vielen Ebenen genau dafür.

Für was stehst du?

Meine übergeordnete Vision ist die Grüne Agrarwende, am liebsten auch mit dem Ende der Massentierhaltung. Hier möchte ich wichtige Punkte auf die kommunale Ebene runterbrechen. Grün in der Stadt finde ich ungemein wichtig für uns alle, besonders die Biodiversität liegt mir hier sehr am Herzen, aber auch die Energiewende. Wir müssen den Klimawandel bremsen und ihn so gestalten, dass Nürnberg eine lebenswerte, soziale Stadt bleibt, das ist mein politisches Ziel.

Was macht dir als Stadträt*in besonders Spaß, was stört dich am Politiker*innen-Dasein?

Spaß macht die Herausforderung, sich komplexe Themen insgesamt anzuschauen, sich einzuarbeiten, Verantwortung zu spüren. Gleichzeitig `stört´ es aber auch, dass es zumeist keine einfachen Antworten gibt und Kompromisse zu suchen sind. Zufrieden macht es mich, Ergebnisse zu erreichen und Ideen einzubringen, aber auch die Bürger*innen-Dialoge.

Siehst du manche Dinge in Nürnberg mit anderen Augen seitdem du Stadträt*in bist?

Ja, sehr. Ich fahre oft Umwege, damit ich mir eine Situation, über die ich abstimmen soll, vorher anschaue und mit jenem Blickwinkel sehe: Wie schaut die Brücke aus, die so viel Geld für die Reparatur verschlingt; was ist das für ein Wald, der für das ICE-Werk zur Disposition stehen soll? Als Stadträt*innen kennen wir sehr viele Projekte und deren Hintergründe, wir lernen wirklich unsere Stadt kennen und dies durchaus mit neuen Augen, ja, auch der Kosten-Brille. Mein Urteil über das politische Geschäft und die Verwaltung hat sich verändert, Respekt ist heute mein erster Gedanke.

Was fehlt Nürnberg oder wovon hat es zu viel? Was ist das Liebenswerte an Nürnberg?

Mir fehlt manchmal das Groß-, ja Weltstädtische. Nürnberg fühlt sich oft so provinziell an, genau das liebe ich aber auch, das sind zwei Herzen in der Brust. Genügend Bäume fehlen mir und eine gute Radinfrastruktur, letzteres werden wir nun hoffentlich bald durch den Masterplan nachhaltige Mobilität bekommen.

Wer ist dein*e Held*in und warum?

Der Begriff ist für mich schwierig, abgemildert gibt es schon Vorbilder wie auf der politischen Seite Willy Brand, aber es sind vor allem diejenigen mutigen Menschen, die in Diktaturen für ihre Überzeugung für Menschenrechte und Demokratie hohe Risiken für Leib und Seele in Kauf nehmen. Das macht mich demütig.