Überprüfung des Stadtarchivs auf Solidaritätsbriefe an die Betroffenen der NSU-Morde

Straße der Menschenrechte L'Homme
Birgit Fuder/Stadt Nürnberg

Die NSU-Morde waren rassistische und rechtsterroristische Taten, denen drei Nürnberger zum Opfer fielen. Seitdem bemüht sich die Stadt, ihre Verantwortung wahrzunehmen, die Taten aufzuarbeiten und für Aufklärung sowie Sensibilisierung gegenüber rassistischer Gewalt zu sorgen. Projekte wie der Mosaik-Jugendpreis, der die plurale Stadtgesellschaft würdigt, oder der NSU-Stadtrundgang, der rechte Gewalt, institutionellen Rassismus und die Geschichte des NSU-Komplexes sichtbar macht, tragen zu dieser aktiven Erinnerungskultur bei. Die Entscheidung der Bundesregierung ein NSU-Dokumentationszentrum in Nürnberg zu erreichten unterstreicht noch einmal die große Verantwortung gegenüber den Betroffenen, Aufklärung und Erinnerungskultur sichtbar zu machen.

Der kürzlich erschienene Film Die Möllner Briefe, der auf der Berlinale als bester Dokumentarfilm mit dem Panorama-Publikumspreis ausgezeichnet wurde, zeigt, wie die Stadt Mölln mit den zahlreichen Solidaritäts- und Trauerbriefen zum Brandanschlag im Jahr 1992 umgeht, die sie nach dem rassistischen Überfall erhalten hat. Diese wurden jedoch nicht an die betroffenen Familien weitergegeben, sondern verblieben verschlossen über 27 Jahre im Stadtarchiv.

Auch nach den NSU-Anschlägen in Nürnberg erreichten die Stadt zahlreiche Beileidsbekundungen aus dem gesamten Bundesgebiet. Für eine weitere Aufarbeitung sowie eine aktive Erinnerungskultur – sowohl aus der Perspektive der Betroffenen als auch der Anteilnehmenden – ist es bedeutsam zu klären, ob solche Solidaritäts- und Trauerbriefe im Stadtarchiv vorhanden sind und wie mit ihnen umgegangen wurde.

Vor diesem Hintergrund stellen wir zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden Antrag:

Die Verwaltung berichtet:

  • über mögliche Beileids-, Solidaritäts- und Trauerbriefe im Stadtarchiv, die an die Familien und Angehörigen der NSU-Opfer gerichtet waren,
  • über die Dokumentation, Anzahl und Lagerung solcher Briefe,
  • über die Weiterleitung der Briefe an die Betroffenen bzw. deren Angehörige,
  • über den gesellschaftlichen und erinnerungspolitischen Umgang mit diesen Briefen im Sinne einer aktiven Erinnerungskultur aus der Perspektive der Betroffenen.
Stadtrat Paul Arzten

Ihr Ansprechpartner:
Paul Arzten