Weniger Notbaustellen, mehr Geld für Bus und Bahn: Teure Doppelsanierungen vermeiden

Baustelle an Straßenbahnhaltestelle
Matthew Hamilton/Unsplash

Die Stadt Nürnberg befindet sich angesichts ihrer dramatischen Haushaltslage in einer Haushaltssperre und steht vor erheblichen Einsparungen. Auch bei der VAG drohen massive Einschränkungen des Angebots, um die laufenden Kosten zu reduzieren. Umso wichtiger ist es, sämtliche Einsparpotenziale auszuschöpfen und insbesondere vermeidbare Ausgaben zu reduzieren, um den Alltag der Nürnberger:innen möglichst wenig einzuschränken. Dazu gehören auch eine vorausschauende und wirtschaftliche Planung und Instandhaltung der Straßenbahninfrastruktur.

Der Stadtrat hat sich wiederholt für den Ausbau und die Modernisierung des Nürnberger Straßenbahnnetzes ausgesprochen. Doch verzögerte Planungen und verschobene Baumaßnahmen führen dazu, dass notwendige Investitionen nicht wie vorgesehen umgesetzt werden. Um dennoch einen sicheren Straßenbahnbetrieb zu gewährleisten, muss die VAG immer wieder auf kurzfristige und kostspielige Reparaturen und Sanierungen im Bestand zurückgreifen.

Ein aktuelles Beispiel ist die Gleisanlage zwischen Plärrer und Hallertor, an der nach 2025 nun auch 2026 erneut Gleise saniert werden müssen. Dabei hat der Verkehrsausschuss erst im Juni 2026 eine umfassende Erneuerung der Gleisanlagen zwischen Fürther Tor und Hallertorbrücke beschlossen, die im Zuge der geplanten Umgestaltung des Plärrers umgesetzt werden soll. Auch in der Ostendstraße (2024 und 2026) und der Frankenstraße (2023 und 2026) waren wiederholt Bestandssanierungen erforderlich. Für die Ostendstraße hat der Stadtrat bereits 2022 umfangreiche Umbauplanungen beschlossen, während auch für die Frankenstraße eine grundlegende Erneuerung vorgesehen ist.

Ähnlich verhält es sich am Gleisdreieck Landgrabenstraße/Gibitzenhofstraße, wo 2025 Gleise erneuert wurden, obwohl bereits seit 2023 ein umfassender Umbau geplant ist.

Solche Maßnahmen sind für einen sicheren Straßenbahnbetrieb unverzichtbar. Werden jedoch bereits geplante grundlegende Erneuerungen immer weiter verschoben, entstehen zusätzliche Kosten für wiederholte Baumaßnahmen, Baustelleneinrichtungen und notwendige Busersatzverkehre. Hinzu kommt, dass kurzfristige Bestandssanierungen häufig nicht im gleichen Umfang förderfähig sind wie grundlegende Erneuerungs- und Ausbauprojekte. Damit können erhebliche Mehrkosten bei VAG, SÖR und letztlich der Stadt Nürnberg verbleiben.

Gerade angesichts der drohenden Einschränkungen im Bus- und Bahnangebot müssen auch vermeidbare Mehrkosten bei der Infrastruktur konsequent reduziert werden. Wenn notwendige Investitionen immer wieder verschoben werden und dadurch zusätzliche Ausgaben für kurzfristige Sanierungen entstehen, belastet das nicht nur den städtischen Haushalt, sondern schränkt dies auch die finanziellen Spielräume für ein attraktives ÖPNV-Angebot weiter ein. Ein verantwortungsvoller und wirtschaftlicher Umgang mit Steuergeldern erfordert deshalb, notwendige Investitionen vorausschauend zu planen und verlässlich umzusetzen, statt durch wiederholte Notmaßnahmen langfristig höhere Kosten zu verursachen.

Bereits mit unserem Antrag „Weniger Kosten, mehr Komfort: Doppelte Straßenbahn-Baustellen vermeiden“ vom 4. November 2025 haben wir auf diese Problematik hingewiesen. Angesichts der aktuellen Haushaltslage wollen wir nun insbesondere die finanziellen Auswirkungen der bisherigen Verzögerungen transparent machen und weitere vermeidbare Mehrkosten verhindern.

Wir stellen deshalb zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden Antrag:

Die Verwaltung berichtet in Zusammenarbeit mit der VAG:

  • Welche kurzfristigen Reparaturen, Notmaßnahmen und Bestandssanierungen waren zwischen 2023 und 2026 im Nürnberger Straßenbahnnetz erforderlich, insbesondere auf Streckenabschnitten mit bereits geplanten oder beschlossenen grundlegenden Erneuerungs- und Ausbaumaßnahmen?
  • Welche Kosten sind dabei jeweils bei VAG und Stadt Nürnberg sowie durch notwendige Busersatzverkehre entstanden?
  • In welcher Höhe konnten Fördermittel aufgrund der verschobenen Erneuerungs- und Ausbauprojekte bislang nicht abgerufen werden und welche Kosten der zwischenzeitlichen Bestandssanierungen waren nicht förderfähig?
  • Welche vermeidbaren Mehrkosten sind durch die Verzögerungen insgesamt entstanden beziehungsweise sind noch zu erwarten und wie können diese künftig reduziert werden?

Angesichts der anstehenden Haushaltsberatungen bitten wir um eine zügige Beantwortung.

Stadtrat Alexander Kahl

Ihr Ansprechpartner:
Alexander Kahl