Die vergangenen Wochen haben uns auf drastische Weise vor Augen geführt, dass die Klimakrise längst in Nürnberg angekommen ist. Tagelang Temperaturen von knapp 40 °C Grad, tropische Nächte und schließlich der vollständige Ausfall der Straßenbahn über fast zwei Wochen: Was früher als Ausnahme galt, wird künftig immer häufiger Realität sein.
Die Frage ist deshalb nicht mehr, ob wir unsere Stadt an die Folgen der Klimakrise anpassen müssen, sondern wie schnell wir das schaffen.
Praktikabler Hitzeschutz jetzt!
Als Grüne/Volt-Stadtratsfraktion haben wir das Thema Klimaanpassung deshalb zu einem unserer politischen Schwerpunkte gemacht – wie auch schon in den Vorlegislaturen. Allein in den vergangenen Monaten haben wir zahlreiche Initiativen eingebracht, um Nürnberg und seine Bewohner:innen widerstandsfähiger gegen Hitze, Dürre und Starkregen zu machen. So setzen wir uns ohne wenn und aber z. B. für mehr Trinkbrunnen, der Einrichtung von Gartenstraßen, dem Schutz in Kitas, Kliniken und Pflegeeinrichtungen, verstärktes Grün und Sonnensegel sowie die Anpassung der Verkehrsbetriebe, Stichwort Straßenbahn, ein.
Unkomplizierter Zugang zu kostenlosem Trinkwasser verhindert an heißen Tagen gesundheitliche Probleme wie Dehydrierung oder Überhitzung. Bislang gibt es im gesamten Stadtgebiet 32 Trinkbrunnen, viel zu wenig für eine Halbmillionen-Stadt, weshalb wir uns für einen forcierten Ausbau aussprechen. Mit unserem Antrag für Wasservernebler wollen wir Plätze, Fußgängerzonen und Haltestellten dort abkühlen, wo zusätzliche Bäume aufgrund von Leitungen oder anderer Zwänge nicht möglich sind. Städte wie Wien oder inzwischen auch Fürth zeigen längst, wie wirksam solche Maßnahmen sein können.
Mit Gartenstraßen wollen wir Asphalt durch Grün ersetzen, Bäume pflanzen und neue Aufenthaltsräume schaffen. Die Urbane Gartenschau 2030 bietet dafür eine große Chance. Gleichzeitig treiben wir das Konzept der Schwammstadt voran: Regenwasser soll künftig dort gespeichert werden, wo es fällt, statt ungenutzt in die Kanalisation zu fließen. Das schützt gleichermaßen vor Überhitzung und vor den immer häufiger auftretenden Starkregenereignissen.
Auch besonders gefährdete Menschen müssen besser geschützt werden. Deshalb fordern wir wirksame Hitzeschutzkonzepte für Schulen, Kitas und Pflegeeinrichtungen sowie Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten der Stadt Nürnberg, die an heißen Tagen im Freien oder in besonders belasteten Arbeitsbereichen tätig sind. Selbst scheinbar kleine Maßnahmen können dabei einen großen Unterschied machen. So haben wir beispielsweise Sonnensegel – neben Bäumen natürlich – für den Hauptmarkt vorgeschlagen, um einen der am stärksten aufgeheizten Plätze Nürnbergs zumindest zeitweise besser nutzbar zu machen.
Die jüngsten Ausfälle im Straßenbahnverkehr haben außerdem deutlich gezeigt, dass auch unsere Infrastruktur klimafit werden muss. Deshalb haben wir kurzfristige Maßnahmen gegen hitzebedingte Ausfälle sowie eine langfristige Strategie für klimafeste Gleise, Oberleitungen und Fahrzeuge beantragt. Denn die Straßenbahn ist gemeinsam mit der U-Bahn das Rückgrat einer klimafreundlichen Mobilität – und sie muss auch bei Extremwetter zuverlässig funktionieren.
Umsetzung darf nicht an mangelnder Finanzierung scheitern
Viele dieser Maßnahmen stehen bereits im Nürnberger Hitzeaktionsplan, den Britta Walthelm in die Umsetzung gebracht hat. Doch Konzepte allein kühlen keine Stadt. Deshalb fordern wir seit Langem, den Hitzeaktionsplan endlich mit den notwendigen finanziellen Mitteln zu hinterlegen. Denn jeder Euro, den wir heute in Hitzeschutz, Begrünung und klimaresiliente Infrastruktur investieren, spart morgen ein Vielfaches an Schäden, Gesundheitskosten und aufwendigen Sanierungen.
Bürgerentscheid als Motor
Umso absurder wirkt vor diesem Hintergrund das Ergebnis des Bürgerentscheids zum Frankenschnellweg. Während wir an einem der heißesten Wochenenden, das Nürnberg je erlebt hat, darüber diskutieren, wie wir unsere Stadt besser vor den Folgen der Klimakrise schützen können, stimmen 53 % der Nürnberger:innen gegen den Stopp eines milliardenschweren Stadtautobahnprojektes, das zusätzliche Flächen versiegelt und enorme finanzielle Spielräume bindet, die wir dringend für die Zukunftsfähigkeit Nürnbergs brauchen.
Gleichzeitig macht uns das Ergebnis aber auch Hoffnung. Denn 47 Prozent der Nürnberger:innen haben sich für einen sofortigen Stopp der Stadtautobahnplanungen ausgesprochen. Das ist ein starkes Signal. Es zeigt, dass bereits heute fast die Hälfte der Stadtgesellschaft bereit ist, Klimaschutz, Verkehrswende und eine lebenswerte Stadt höher zu gewichten als immer neue Straßenbauprojekte. Ein Ergebnis, mit dem vor wenigen Jahren wohl niemand gerechnet hätte.
Diesen Menschen fühlen wir uns verpflichtet. Deshalb werden wir uns auch weiterhin mit Nachdruck dafür einsetzen, dass Nürnberg nicht nur klimaneutral wird, sondern auch klimafest. Denn die nächste Hitzewelle kommt bestimmt – und wir entscheiden heute, wie gut unsere Stadt darauf vorbereitet sein wird.
Infos zum Hitzeaktions-Plan und unter hitze.nuernberg.de:
Ziele:
- Minimierung von gesundheitlichen Folgen
- Besondere Unterstützung für vulnerable Gruppen (Ältere, Kinder, Schwangere, chron. Kranke)
- Infos und Aufklärung zum Thema
- Anpassung der Stadt an die Folgen des Klimawandels, d.h. stadt- und bauplanerische Maßnahmen
Beispielhafte Maßnahmen:
- Karte mit „kühlen Orten“
- Kostenloses Trinkwasser, Ausbau Trinkbrunnen und Refill-Angebote
- Hitze-Newsletter
- Hitzetelefon
- Mehr Grün, Wasserspiele, -vernebler und Schattenplätze
- Vollständige Umsetzung beschlossener Maßnahmen wie Klimaanpassungskonzept, Klimafahrplan, Masterplan Freiraum, Klima-Baukasten für Bauleitplanung u.s.w.

Ihr Ansprechpartner:
Alexander Kahl

Ihre Ansprechpartnerin:
Andrea Friedel
