Nachdem im Januar der Straßenbahnbetrieb aufgrund starker Schneefälle für mehrere Tage eingestellt werden musste, stellte die VAG am 27. Juni 2026 erneut den gesamten Straßenbahnverkehr in Nürnberg ein. Ursache waren diesmal die außergewöhnlich hohen Temperaturen der vorausgegangenen Tage mit bis zu 40 Grad Celsius. Durch die Hitze quoll an zahlreichen Stellen Bitumenmasse aus den Fugen zwischen Schienen und Asphalt und verteilte sich auf Gleisen und Fahrbahn. Dies führte zu erheblichen Verschmutzungen der Fahrwerke der Straßenbahnen und machte einen zuverlässigen Betrieb unmöglich. Zudem beeinträchtigten teilweise große Bitumenklumpen auf der Fahrbahn auch den Straßenverkehr. Betroffen waren unter anderem erst kürzlich vollständig erneuerte Streckenabschnitte wie am Rathenauplatz und in der Scheurlstraße. Bereits mehrere Tage zuvor mussten wegen der Gefahr von Gleisverwerfungen infolge der thermischen Ausdehnung der Schienen sowie aufgrund der bei Hitze stärker durchhängenden Oberleitungen die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten vielerorts auf 30 km/h reduziert werden und der Busverkehr am Rathenauplatz wurde eingestellt.
Die beiden Betriebseinstellungen innerhalb weniger Monate verdeutlichen, dass die Auswirkungen der menschengemachten Klimakrise die öffentliche Infrastruktur zunehmend vor neue Herausforderungen stellen. Hitzeperioden, Starkschneefälle und andere Extremwetterereignisse werden künftig häufiger auftreten. Das Straßenbahnnetz als Rückgrat einer klimafreundlichen Mobilität muss deshalb selbst klimafest und resilient ausgestaltet werden.
Neben den technischen Problemen hat auch die Informationspolitik der VAG viele Fahrgäste verärgert. Sowohl im Januar als auch im Juni erfolgten Informationen über Betriebseinstellungen verspätet, unvollständig oder widersprüchlich. Zahlreiche Fahrgäste warteten lange Zeit an Haltestellen auf Straßenbahnen, ohne zu wissen, dass der Betrieb bereits eingestellt worden war oder wann mit Ersatzangeboten zu rechnen ist. Gerade in Ausnahmesituationen sind schnelle, transparente und verlässliche Informationen entscheidend, um Vertrauen in den öffentlichen Nahverkehr zu erhalten.
Die aktuellen Hitzetage zeigen zudem erneut, wie wichtig eine funktionierende Klimatisierung im öffentlichen Nahverkehr ist. Solange noch nicht alle Straßenbahnen klimatisiert sind, sollten Fahrgäste bereits vor dem Einsteigen erkennen können, ob ein Fahrzeug über eine Klimaanlage verfügt. Besonders hitzeempfindliche Menschen könnten so aufgrund der häufig dichten Taktfolge gezielt auf die nächste klimatisierte Bahn warten. Andere Verkehrsunternehmen kennzeichnen klimatisierte Fahrzeuge bereits sowohl am Fahrzeug selbst als auch in den dynamischen Fahrgastinformationsanzeigen an den Haltestellen. Eine entsprechende Kennzeichnung würde insbesondere an heißen Sommertagen den Komfort und die Nutzerfreundlichkeit deutlich verbessern.
Gerade weil Nürnberg in den kommenden Jahren noch mehr Menschen für Bus und Bahn gewinnen möchte, ist ein zuverlässiger Betrieb auch unter extremen Wetterbedingungen unverzichtbar. Neben kurzfristigen Maßnahmen braucht es deshalb eine langfristige Strategie, um Infrastruktur, Fahrzeuge und Betriebsabläufe an die Folgen der Klimakrise anzupassen.
Vor diesem Hintergrund stellen wir zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden Antrag:
Die Verwaltung und die VAG
- berichten über die Ursachen der vollständigen Einstellung des Straßenbahnbetriebs am 27. Juni 2026 sowie über die daraus gezogenen Erkenntnisse,
- legen dar, welche kurzfristigen Maßnahmen ergriffen werden, um vergleichbare Betriebsausfälle während weiterer Hitzeperioden möglichst zu vermeiden. Dabei berichtet sie auch über einen etwaigen Austausch mit Straßenbahnbetreibern aus Städten, die bereits heute regelmäßig mit deutlich höheren Temperaturen konfrontiert sind, beispielsweise Barcelona, Athen oder Nantes.
- berichten, welche mittel- und langfristigen Maßnahmen seitens der Stadt und der VAG vorgesehen sind, um das Nürnberger Straßenbahnnetz an die zunehmenden Auswirkungen der Klimakrise anzupassen und einen zuverlässigen Betrieb auch bei extremen Wetterereignissen sicherzustellen. Dabei ist insbesondere auf Maßnahmen zur Vermeidung hitzebedingter Gleisverwerfungen, hitzebeständigere Fugen- und Gleiskonstruktionen, die Verspannung der Oberleitungen sowie die vollständige Klimatisierung der Fahrzeugflotte einzugehen.
- berichten über die bisherigen Informations- und Kommunikationsprozesse bei den genannten Betriebseinstellungen sowie darüber, wie die Fahrgastinformation bei außergewöhnlichen Betriebsstörungen künftig verbessert werden soll. Dabei ist insbesondere darzustellen, wie Fahrgäste schneller, einheitlicher und verlässlicher über Betriebseinstellungen, Ersatzverkehre und die voraussichtliche Dauer von Störungen informiert werden können.
- prüfen die Kennzeichnung klimatisierter Straßenbahnfahrzeuge bis zur vollständigen Klimatisierung der Flotte sowohl am Fahrzeug selbst (z. B. durch gut sichtbare Aufkleber an den Einstiegstüren) als auch in den dynamischen Fahrgastinformationsanzeigen.

Ihr Ansprechpartner:
Alexander Kahl
