Nürnberg gehört zu den sichersten Großstädten in Deutschland – dies zeigt der alljährliche Sicherheitsbericht. Dies ist vor allem der fortlaufenden Zusammenarbeit und der engen Kooperation verschiedener kommunalen Ordnungsbehörden, der Polizei, präventiven Angeboten und der Zivilgesellschaft zu verdanken.
Dennoch herrscht eine Diskrepanz zwischen der objektiven Sicherheitslage und dem subjektiven Sicherheitsempfinden. Demnach unterschiedet sich dieses Empfinden je nach Stadtbezirk – teilweise sind hier große Abweichungen festzustellen. So listet der Sicherheitsbericht von 2024 sogenannte „Problemorte“ wie Königstorpassage, Aufseßplatz und Jamnitzerplatz. Doch hängt das Sicherheitsempfinden nicht nur von Orten ab, sondern auch von der Tageszeit. Denn vor allem Mädchen und Frauen fühlen sich nachts in verschiedenen Situationen wesentlich unsicherer als Männer. Dies betrifft insbesondere die Nutzung des ÖPNV und führt teilweise so weit, dass sie versuchen, nachts Bahn und Bus zu vermeiden.
Unter anderem zeigt das die Studie „Wie kommst du von A nach B?“ des KJR, bei der 28 Prozent der Befragten angaben, bereits sexuell bedrängt worden zu sein. 75 Prozent der Frauen meiden nachts den ÖPNV, mehr als 50 Prozent der Frauen haben dabei Strategien, um ihr Sicherheitsgefühl in der Bahn zu erhöhen – wie die Vermeidung von Augenkontakt oder das Handy ans Ohr zu legen.[1]
Damit sich Mädchen und Frauen in öffentlichen Verkehrsmitteln im Speziellen und im öffentlichen Raum im Generellen wohl und sicher fühlen können, kommen verschiedene Gegenmaßnahmen in Betracht:
- Die Verbesserung der Beleuchtung und der Sichtverhältnisse in öffentlichen Räumen, aber auch die Beseitigung von Angsträumen. Verbesserung insbesondere der Beleuchtung an U-Bahnsteigen oder in Zugängen und Verteilergeschossen, Parkhäusern und deren Umgebung, Fahrradstellplätze.
- Förderung von Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskursen, insbesondere WenDo mit einem präventiven Ansatz, die dazu beitragen, die eigene Reaktionsfähigkeit und das Sicherheitsgefühl zu stärken.
- Direkte Ansprache anderer Personen oder das Aufsuchen eines Lokals können Sicherheit bieten. Hier wären Multiplikatoren oder weitere Player zu sensibilisieren und zu aktivieren (Geschäfte, Gastronomie).
- Die bereits erprobte Methode von Awareness Teams in Clubs, auf Festivals, Kulturevents einsetzen und diese mittels Informationen über Hilfesysteme und Code-Words unterstützen.
- Die Berücksichtigung der Bedürfnisse von Frauen bei der Stadtentwicklung kann die Lebensqualität in Städten für alle verbessern.
- Spielplätze als besonders schützenswerte öffentliche Räume sollen sicher abgetrennt, gut beleuchtet und mit Sitzmöglichkeiten ausgestattet werden, die eine Aufsicht ohne toten Winkel gewährleistet.
- Besser und gezielt geschultes Sicherheitspersonal im ÖPNV, beim Außendienst der Stadt und der Polizei; Ziel ist es, Übergriffe zu verhindern und Betroffenen schneller Unterstützung zu bieten. Zum Beispiel nächtliche Präsenz von erkennbarem VAG-Personal an den U-Bahnhöfen, das bei Unsicherheiten aufgesucht und angesprochen werden kann.
- Einsatz eines digitalen Meldesystems, mit dem Fahrgäste anonym per QR-Code Vorfälle melden können.
- Notrufsäulen oder Notrufeinrichtungen sollen technisch aufgerüstet werden (z.B. durch Video-Kontakt).
- Ausgabe von Taxigutscheinen für Frauen für die „letzte Meile“.
- Einrichtung und Unterstützung des Ansatzes „Frauen fahren Frauen“ durch die Taxikommission.
- Bei der Planung der Maßnahmen sollen Mehrfachgefährdungspotenzial berücksichtigt werden, wie Alter (Seniorinnen oder junge Frauen), migrantisch gelesene Frauen, Schwarze und BiPoC-Frauen, Frauen mit Behinderungen usw.
- Ausbau der Täterarbeit und dabei auf Sensibilisierung bereits im Schulalter setzen.
Vor diesem Hintergrund stellen wir zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden Antrag:
Die Verwaltung
- berichtet über bestehende Angebote speziell für Frauen und Mädchen,
- legt Konzepte zu den o. g. Punkten vor und benennt hierfür nötige Ressourcen,
- erstellt ein Beteiligungskonzept, in dem Frauen* und Mädchen involviert und als Expertinnen der eigenen Sache ernst genommen werden.

Ihre Ansprechpartnerin:
Réka Lörincz
