Geplantes Rechenzentrum in Nürnberg – Risiken begrenzen und Chancen nutzen

Blick auf Rechner mit vielen Kabeln in einem Rechenzentrum
Taylor Vick/Unsplash

Der Bedarf an Rechenleistung wächst stark. Medienberichten zufolge plant die Data Center Capital (DCC) derzeit ein Rechenzentrum mit rund 9,5 MW Leistung in einem Nürnberger Gewerbegebiet. Die Planungen sollen bereits weit fortgeschritten sein, der konkrete Standort ist bislang jedoch nicht öffentlich bekannt. (1)

Rechenzentren sind ein wichtiger Baustein einer zunehmend digitalen Wirtschaft und können Nürnberg als starken IT- und Wirtschaftsstandort weiter stärken. Gleichzeitig benötigen sie viel Energie und Fläche, je nach Kühlung auch erhebliche Mengen Wasser, und stellen hohe Anforderungen an die Netzinfrastruktur. Solche Ansiedlungen bieten deshalb Chancen, bringen aber auch Risiken und Nutzungskonflikte mit sich. Für uns ist entscheidend, wirtschaftliche Entwicklung, digitale Infrastruktur, Klimaschutz und einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen zusammenzudenken. Dafür braucht es frühzeitig Transparenz, klare Standards und eine kluge kommunale Steuerung.

Gerade angesichts der angespannten Haushaltslage muss deutlich werden, welcher konkrete Mehrwert für Nürnberg entsteht – etwa durch lokale Wertschöpfung, Arbeitsplätze und kommunale Steuereinnahmen – und welche zusätzlichen Infrastrukturkosten möglicherweise anfallen. Auch ein Beitrag zur digitalen Souveränität entsteht nicht allein durch den Standort eines Rechenzentrums. Entscheidend ist ebenso, wer die Infrastruktur nutzt und welche IT- und Cloud-Dienste zum Einsatz kommen.

Besonders relevant sind Strom- und Wasserbedarf, die geplante Kühlung und die Nutzung der entstehenden Abwärme. Wasser sollte möglichst sparsam eingesetzt und die entstehende Abwärme möglichst umfassend für Wärmenetze, Unternehmen oder benachbarte Quartiere nutzbar gemacht werden. Auch Auswirkungen von Notstromsystemen, Flächenverbrauch, Versiegelung und Lärm müssen frühzeitig berücksichtigt werden.

Nürnberg sollte deshalb prüfen, mit welchen kommunalen Instrumenten eine ressourcen- und klimaverträgliche Entwicklung sichergestellt werden kann. Frankfurt, Offenbach und Hanau steuern die Ansiedlung und Entwicklung von Rechenzentren bereits mit eigenen Konzepten beziehungsweise Strategien. (2) Auch für Nürnberg stellt sich daher die Frage nach eigenen Leitlinien. Ebenso wichtig ist eine frühzeitige und transparente Information und Beteiligung der Menschen vor Ort.

Vor diesem Hintergrund stellen wir zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden Antrag:

Die Verwaltung berichtet über das geplante Rechenzentrum und nimmt insbesondere Stellung zu

  • Standort, Größe, Betreiber- und Eigentumsstruktur, Zeitplan und Genehmigungsstand,
  • dem erwarteten Strom- und Netzbedarf, erforderlichen Netzausbauten und deren Finanzierung sowie der vorgesehenen Ausfallsicherheit einschließlich möglicher Notstromaggregate,
  • dem vorgesehenen Kühlsystem, insbesondere dem Einsatz von Trink- oder Grundwasser, sowie Wasserverbrauch, Flächenbedarf, Versiegelung und Lärm,
  • dem Potenzial und den Möglichkeiten einer möglichst umfassenden Nutzung der Abwärme, insbesondere für bestehende oder künftige Wärmenetze,
  • dem möglichen Beitrag zur regionalen und europäischen digitalen Souveränität unter Berücksichtigung der späteren Nutzer:innen und eingesetzten IT- und Cloud-Dienste,
  • den wirtschaftlichen Chancen für Nürnberg, insbesondere Arbeitsplätzen, lokaler Wertschöpfung, kommunalen Steuereinnahmen und möglichen zusätzlichen Infrastrukturkosten,
  • den kommunalen Möglichkeiten, hohe Standards bei Energieeffizienz, erneuerbaren Energien, Kühlung, Wasserverbrauch, Abwärmenutzung und Flächeneffizienz sicherzustellen,
  • den Erfahrungen anderer Städte mit der kommunalen Steuerung von Rechenzentren und der Frage, ob daraus eigene Nürnberger Leitlinien entwickelt werden sollten,
  • der geplanten Information und Beteiligung der betroffenen Anwohnenden und Öffentlichkeit.

(1) Nürnberger Nachrichten, 28.08.2026: „Umstrittene Rechenzentren: Boom erreicht Bayern – Planungen in Nürnberg sind ‚sehr konkret‘“.

(2) Stadt Frankfurt am Main: „Rechenzentrenkonzept – Aktualisierung des Gewerbeflächenentwicklungsprogramms“ (2022); Stadt Offenbach am Main: „Städtebauliches Entwicklungskonzept für unabhängige Rechenzentren und ähnliche Vorhaben“ (2024/2025); Stadt Hanau: Rechenzentrumsstrategie (seit 2021).

Stadtrat Alexander Kahl

Ihr Ansprechpartner:
Alexander Kahl

Stadträtin Isaura Süssner (Volt), im Hintergrund Wald
Bild: Volt Nürnberg

Ihr Ansprechpartner:
Isaura Süssner