Sichtbarkeit für Sintizze und Romnja: Hissen der Roma-Fahne am Internationalen Roma-Tag am Nürnberger Rathaus

Sarah Eick / Anbieter: Amaro Foro e.V.

Am 8. April wird weltweit der Internationale Roma-Tag begangen – zur Würdigung, Sichtbarmachung und zum Einsatz gegen die Diskriminierung der größten ethnischen Minderheit Europas. Für Nürnberg, eine Stadt mit belasteter Geschichte gegenüber Sintizze und Romnja, hat dieser Tag besondere Bedeutung. Trotz des heutigen Engagements für Vielfalt erleben Angehörige der Community weiterhin Ausgrenzung und Diskriminierung.

Laut dem Bericht der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) wurden 2024 bundesweit 1.234 antiziganistische Vorfälle erfasst – ein Anstieg um 15 % gegenüber 2023. Bayern verzeichnet einen relativ hohen Anteil mit einem Sechstel aller Fälle. Diese Zahlen (von einer hohen Dunkelziffer ist auszugehen) zeigen, dass Antiziganismus ein tief verwurzeltes gesellschaftliches Problem ist.

Mit den sogenannten Nürnberger Gesetzen von 1935 wurden hier zentrale Grundlagen der nationalsozialistischen Rassenideologie geschaffen. Diese Gesetze und ihre Folgeverordnungen richteten sich nicht nur gegen jüdische Menschen, sondern bildeten auch die Basis für die systematische Verfolgung, Entrechtung und den Völkermord an Sintizze und Romnja. Nürnberg ist damit ein zentraler Ort nationalsozialistischen Unrechts und zugleich ein Ort, an dem Erinnerung, Verantwortung und Menschenrechte sichtbar gelebt werden müssen.

Die Stadt Nürnberg bekennt sich ausdrücklich zu einer aktiven Menschenrechtspolitik und leistet hier seit vielen Jahren wertvolle Arbeit. Die Beflaggung zum Internationalen Roma Tag fügt sich konsequent in diese menschenrechtliche Tradition ein und stärkt die Sichtbarkeit einer Minderheit, deren Perspektiven im öffentlichen Raum noch immer zu selten präsent sind.

Zudem ist Nürnberg ein wichtiger Standort zivilgesellschaftlicher Selbstorganisation von Sintizze und Romnja, unter anderem durch den Landesverband Deutscher Sinti und Roma in Bayern als zentrale Ansprechinstitution für die in Bayern lebenden Sinti und Roma. Dieser widmet sich der historischen Aufarbeitung, Bildungsarbeit und dem Dialog mit Politik und Stadtgesellschaft. Durch eine Beflaggung könnte diese Arbeit wertgeschätzt und der Dialog vertieft werden.

Das Hissen der Roma-Flagge ist ein europaweit etabliertes symbolisches Zeichen der Solidarität und Anerkennung, wie es Städte wie Berlin, Leipzig, Köln und München bereits praktizieren. Nürnberg sollte diesem Beispiel folgen und damit ein deutliches Signal gegen Rassismus und für eine inklusive Stadtgesellschaft setzen.

Wir stellen deshalb zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden Antrag:

  • Die Stadt Nürnberg hisst künftig jährlich am 8. April die Roma-Flagge (blau-grün mit rotem Rad) am Rathaus.
  • Die Beflaggung soll in Abstimmung und mit Beteiligung des Landesverbandes durch ein entsprechendes Begleitprogramm, sowie Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit ergänzt werden.
Stadträtin Réka Lörincz

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Réka Lörincz