Am 17. September haben Oberbürgermeister, 2. Bürgermeister und der Bayerische Ministerpräsident öffentlich erklärt, die „Finals“ nach Nürnberg holen zu wollen. Gemeinsam mit dem Freistaat Bayern, dem Bayerischen Landes-Sportverband und weiteren Partnern soll eine Ausrichtung geprüft werden. Der Freistaat hat hierfür bereits eine Beteiligung von bis zu fünf Millionen Euro in Aussicht gestellt.
Die Finals können eine Chance für Nürnberg sein: für den Breiten- und Spitzensport, für die Sichtbarkeit unserer Sportvereine und als Veranstaltung, die viele Menschen nach Nürnberg bringt und damit positive Effekte für Tourismus, Stadtmarketing, Gastronomie und Einzelhandel entfalten kann. Einer Bewerbung stehen wir deshalb grundsätzlich offen gegenüber.
Nicht akzeptabel ist für uns jedoch das bisherige Verfahren. Der Stadtrat wurde vor der öffentlichen Ankündigung nicht eingebunden und erfuhr von den Plänen aus der Presse. Gleichzeitig sind zentrale Fragen zu Kosten, Finanzierung, Austragungsorten und möglichen Folgekosten bislang offen – gerade auch mit Blick auf die unklaren Realisierungsmöglichkeiten und Zeitpläne beim Stadionneubau.
Das wiegt in der aktuellen Situation besonders schwer. Nürnberg befindet sich in einer massiven Haushaltskrise. Seit Ende Juli gilt eine Haushaltssperre, für die kommenden Jahre müssen Einsparungen in erheblicher Größenordnung erreicht werden. Projekte werden verschoben, Standards hinterfragt und wichtige Zuschüsse für Vereine, Beratungsstellen, soziale Angebote sowie Kunst und Kultur von Streichungen bedroht sind.
Diese Krise können wir nur gemeinsam bewältigen. Wenn von Stadtrat und Verwaltung richtigerweise erwartet wird, Verantwortung zu übernehmen und auch schmerzhafte Entscheidungen für viele Nürnberger:innen und die städtischen Beschäftigten vorzubereiten und mitzutragen, braucht es umgekehrt Transparenz und frühzeitige Beteiligung bei neuen finanziellen Verpflichtungen.
Es ist kaum vermittelbar, wenn die Verwaltung gleichzeitig Stelleneinsparungen bewältigen muss, im Stadtrat um Einsparungen von mehr als 80 Millionen Euro gerungen wird und Teile der Stadtspitze nach Urbaner Gartenschau, Dürerjahr und „Theater der Welt“ bereits das nächste potenziell millionenschwere Großereignis öffentlich auf den Weg bringen, bevor Kosten, Finanzierung und finanzielle Risiken geklärt und die gewählten Gremien beteiligt wurden. Gerade in der aktuellen Haushaltslage dürfen Entscheidungen dieser Größenordnung nicht an den zuständigen politischen Gremien vorbei vorbereitet werden.
Vor diesem Hintergrund stellen wir zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden Antrag:
Die Verwaltung berichtet,
- über den aktuellen Stand einer Bewerbung Nürnbergs um die „Finals“, welche Schritte bereits erfolgt sind, welche weiteren Entscheidungen und Fristen anstehen und wie der Prozess hierfür aussieht,
- mit welchen Gesamtkosten und finanziellen Risiken für die Stadt Nürnberg gerechnet wird, welchen Eigenanteil die Stadt tragen müsste und wie die Finanzierung einschließlich der angekündigten Förderung des Freistaats und weiterer möglicher Partner aussehen soll,
- welche Einnahmen und positiven Effekte erwartet werden, insbesondere hinsichtlich Besucher:innenzahlen, Tourismus, Gastronomie und Einzelhandel, Stadtmarketing sowie Breiten- und Spitzensport,
- welche Sportstätten und öffentlichen Räume für die Wettbewerbe vorgesehen sind und welche zusätzlichen Investitions-, Personal-, Sicherheits- und Infrastrukturkosten hierfür entstehen könnten, insbesondere auch vor dem Hintergrund der Planungen zum Stadionneubau,
- warum der Stadtrat vor der öffentlichen Ankündigung nicht informiert und beteiligt wurde und zu welchem Zeitpunkt der Stadtrat über eine Bewerbung sowie die damit verbundenen finanziellen Verpflichtungen entscheiden soll.

Ihr Ansprechpartner:
Alexander Kahl

Ihr Ansprechpartner:
Paul Arzten

Ihre Ansprechpartnerin:
Claudia Hammerbacher
