Die Situation am Aufseßplatz bleibt trotz verstärkter Kontrollen und der bestehenden Alkoholverbotszone angespannt. Neben Gewalt, erheblichem Alkoholkonsum und Vermüllung kommt es regelmäßig zu starkem Lärm, offenem Drogenkonsum sowie zum Urinieren und Defäkieren im öffentlichen Raum. Auch Hauseingänge, Hinterhöfe und angrenzende Bereiche werden verunreinigt. Für Anwohnende, Gewerbetreibende und viele Menschen, die den Platz täglich nutzen, bedeutet dies eine erhebliche Belastung.
Um die Situation besser beobachten zu können, setzt die Polizei seit kurzem einen 360°-Videoüberwachungswagen auf dem Aufseßplatz ein.
Generell haben bisher getroffene Maßnahmen nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt. So zeigt der Sicherheitsbericht 2025 der Stadt Nürnberg, dass Kontrollen und Sanktionen allein nicht ausreichen. Darin genannt werden auch sozialfachlichen Ansätze wie zielgruppenspezifische Streetwork, ein akzeptanzorientierter Trinkraum, also ein alternativer Aufenthaltsort mit grundlegender Infrastruktur und Konfliktmanagement. Diese sollten daher nun konkretisiert und möglichst zeitnah umgesetzt werden. Gerade bei Menschen mit schweren Suchterkrankungen braucht es neben ordnungsrechtlichen Maßnahmen verlässliche Hilfsangebote. Ein betreuter Trinkraum kann dabei sowohl Unterstützung bieten als auch Nutzungskonflikte im öffentlichen Raum reduzieren.
Wichtig bei allen Maßnahmen ist dabei, dass die Probleme nicht in andere Teile der Südstadt verlagert werden. So sind der Kopernikus- und Melanchthonplatz bereits ebenfalls belastet, was sich auch an den mittlerweile zunehmenden Polizeieinsätzen zeigt. Hinzu kommt, dass Gastronom:innen und Einzelhändler:innen vor Ort aufgrund von Lärm, Verschmutzungen, Beleidigungen und Zerstörungen von Umsatzeinbußen berichten. Dringend notwendig ist deshalb ein abgestimmtes Vorgehen von Sozialarbeit, Ordnungsbehörden und Polizei, das Verlagerungseffekte frühzeitig erkennt und berücksichtigt.
Mit der Stadterneuerung im Quartier Annapark und der Südstadt.Klima.Meile im Rahmen der Urbanen Gartenschau stehen zugleich größere Veränderungen am Kopernikusplatz und in seinem Umfeld an. Diese Planungen bieten die Chance, soziale Infrastruktur, Aufenthaltsqualität, Sauberkeit und Sicherheit von Beginn an gemeinsam zu denken.
Vor diesem Hintergrund stellen wir zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden Antrag:
Die Verwaltung berichtet,
- über die aktuelle Situation am Aufseßplatz, die bisher ergriffenen Maßnahmen und deren Wirkung,
- wertet gemeinsam mit der Polizei die bisherigen Erfahrungen mit dem 360°-Videoüberwachungswagen aus und stellt insbesondere dessen Wirkung auf Sicherheitslage, Straftaten und mögliche Verlagerungseffekte dar,
- legt ein Konzept für einen akzeptanzorientierten Trinkraum bzw. eine Trinkerstube im Umfeld des Aufseßplatzes einschließlich Standort, Trägerschaft, Betrieb und Kosten vor,
- konkretisiert die weiteren im Sicherheitsbericht 2025 genannten sozialfachlichen Maßnahmen und setzt diese möglichst zeitnah um,
- entwickelt gemeinsam mit Polizei und sozialen Trägern Maßnahmen, um Verlagerungseffekte insbesondere auf den Kopernikus- und Melanchthonplatz sowie angrenzende Bereiche frühzeitig zu erkennen und möglichst zu verhindern,
- berücksichtigt die genannten sozialen, ordnungsrechtlichen und räumlichen Aspekte bei der Umgestaltung des Kopernikusplatzes und seines Umfelds im Rahmen der Stadterneuerung Quartier Annapark und der Südstadt.Klima.Meile,
- berichtet über Wirkung und Vollzug der Alkoholverbotszone und weitere rechtlich zulässige Maßnahmen zur Reduzierung des öffentlichen Alkoholkonsums und der unmittelbaren Verfügbarkeit insbesondere hochprozentiger alkoholischer Getränke zu prüfen.

Ihr Ansprechpartner:
Alexander Kahl

Ihre Ansprechpartnerin:
Claudia Hammerbacher

Ihre Ansprechpartnerin:
Andrea Friedel
